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Verletzungen des (vorderen) Kreuzbands
25 Fragen über Verletzungen des (vorderen) Kreuzbands.

1) Was sind Kreuzbänder eigentlich?
Hierfür eben ein weinig Anatomie. Das Knie besteht aus drei Knochen: dem Oberschenkel (Os Femur), dem Schienbein (Os Tibia) und auch noch der Kniescheibe (Patella). Daneben gibt es, pro Knie, noch zwei Menisken. Das sind Knorpelscheiben, die dafür sorgen, dass alle Teile gut passend funktionieren und die außerdem zur Stoßdämpfung beim Laufen beitragen. Der Oberschenkel und das Schienbein dürfen nicht voneinander abrutschen sondern müssen sowohl bei gestrecktem als auch bei gebogenem Knie gut bei einander sitzen bleiben. An den beiden Außenseiten des Knies sitzen Gelenkbänder (Ligamente), die dafür sorgen, dass die Knochen stramm gegeneinander gehalten werden. Sie sorgen auch seitwärts für die Stabilität. An der Innenseite im Knie sitzen zwei Kreuzbänder, die dafür sorgen, dass der Unterschenkel nicht nach vorn oder hinten wegrutschen kann. Das vordere Kreuzband verhindert, dass das Schienbein nach vorn weggehen kann und das hintere Kreuzband tut dies für die rückwärtige Bewegung. Außerdem sorgen sie beide dafür, dass nur eine sehr begrenzte Drehung im Knie möglich ist. Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass das ganze Knie, abgesehen vom äußersten Gelenkband (laterales Band), in einer Gelenkkapsel sitzt.

2) Warum heißen sie Kreuzbänder?
Sie heißen so, weil sie einander im Knie kreuzen. Für Interessierte: Das vordere Kreuzband kommt vom Oberschenkel hinten/außen (lateral) und führt zum Unterschenkel vorn/innen (medial). Das hintere Kreuzband kommt vom Oberschenkel vorn/innen und führt zum Unterschenkel hinten/außen.

3) Welches der Kreuzbänder verursacht die meisten Probleme?
Das ist das vordere Kreuzband. Verletzungen am hinteren Kreuzband kommen selten vor. Gelegentlich bekommt ein Fußballtorwart einen Tritt gegen das Schienbein seines Standbeins. Sein Unterschenkel schießt dann nach hinten und dann kann das hintere Kreuzband reißen.

4) Okay, dann weiter mit dem vorderen Kreuzband. Was kann daran entzwei gehen?
Das Band kann gezerrt werden, teilweise einreißen und ganz (quer) zerreißen.

5) Wie kann das geschehen?
Hierfür gibt es leider viele Möglichkeiten. Die bekannteste ist die beim Fußball, wenn mit der Innenseite des Fußes (also mit leicht gedrehtem Kniegelenk und dem Kreuzband unter Spannung) zu schießen versucht wird und der Gegner dies blockiert. Ein anderer Favorit ist das Fallen beim Skilaufen, wobei die Bindung sich nicht löst oder das Hängenbleiben an einem Slalomtor. Diese Verletzung kann ferner vorkommen bei allen Sportarten mit viel Drehungen, Schlagbewegungen, schnellem Abbremsen und Landungen (Absprung).

6) Muss man auch noch auf bestimmte Risikogruppen hinweisen?
Leider ja. Diese Gruppe umfasst etwa 50% der Bevölkerung. Man hat festgestellt, dass Frauen, bei gleicher sportlicher Aktivität, ein viel größeres Risiko im Hinblick auf Verletzungen des vorderen Kreuzbands haben als Männer. Bei Fußball zweimal und bei Basketball selbst viermal so viel als bei Männern.

7) Wie kommt das?
Das ist wahrscheinlich eine Kombination von Faktoren. Zunächst gibt es einige anatomische Unterschiede zu Männern. So ist der Raum im Knie, wo die Kreuzbänder sitzen, kleiner. Hierdurch kommen sie eher in die Enge und werden schneller beschädigt. Infolge des breiteren Beckens haben die Knie von Frauen einen etwas größeren Winkel seitwärts ("X-Beine“). Auch sind die Kniesehnen (Hamstrings), die dem Kreuzband bei seiner Arbeit helfen, bei Frauen weniger stark. Weiter wirkt sich das Hormon Östrogen auch nicht günstig aus. Der Aufbau der Bänder ist hierdurch träger, auch sind sie periodisch etwas schwächer. Schließlich spielt mit, dass Frauen oft später mit Sport anfangen, wodurch ihre allgemeine Kondition, Kraft und Motorik etwas weniger entwickelt ist. Letzteres wird in einigen Jahren wahrscheinlich keine Rolle mehr spielen.

8) Das macht mich nicht froh. Aber wie weiß man, dass man einen vorderen Kreuzbandschaden hat?
Das hängt ab vom Ernst der Situation.

9) Sollen wir langsam anfangen mit einer Zerrung?
Das ist Grad 1. Dann weiß man oft, dass man sich "vertreten" hat. Am folgenden Tag ist das Knie manchmal etwas dick, bleibt aber stabil. Wohl kann das Knie lange schmerzen. Mit etwas Vorsicht geht dies von selbst vorüber.

10) Was ist dann Grad 2?
Hier ist das vordere Kreuzband teilweise gerissen. Das Knie wird dick und kann sich instabil anfühlen.

11) Ich fürchte das Schlimmste für Grad 3?
In der Tat. Hier ist das vordere Kreuzband ganz durchgerissen und das Knie wird sofort (innerhalb weniger Stunden) dick und fühlt sich instabil an. In ungefähr 80% der Fälle hat der Sportler etwas knacken gehört. Wenn man wirklich Pech hat, sind auch ein Meniskus und das mittlere Band entzwei.

12) Was muss man tun, wenn man etwas vermutet?
Man kann nicht viel tun. Gut kühlen und das Bein hochlegen, das ist es schon so ein wenig. Ein Druckverband nützt, kann aber schmerzen. Obendrein wird man ihn immer entfernen müssen, um kühlen zu können. Wenn man eine Verletzung des Grades 2 oder 3 vermutet oder zweifelt, muss man in jedem Fall unmittelbar zum Arzt oder zur Ersten Hilfe wegen der richtigen Diagnose.

13) Wie wird dort die Diagnose gestellt?
Das erste Anzeichen ist die Schnelligkeit, mit der das Knie dick geworden ist. Waren das wenige Stunden, dann ist meistens auch Blut im Knie und eine weitere Untersuchung wäre zu schmerzhaft. Durch das Entfernen von Blut wird der Druck nachlassen und die Untersuchung wird möglich. Wenn man dann auf dem Rücken liegt, mit gebogenem Knie, kann der Arzt im allgemeinen den Unterschenkel gegenüber dem Oberschenkel nicht nach vorn bewegen. Wenn das doch möglich ist, liegt mit Sicherheit ein Schaden des vorderen Kreuzbands vor. Im Krankenhaus wird man dann meistens auch noch eine Röntgenaufnahme machen, um etwaige Knochenbrüche auszuschließen. Auch eine diagnostische Kniespiegelung wird meistens gemacht werden.

14) Fein. Wir wissen nun, was es ist, wie man daran kommen kann und wie es festgestellt wird. Wie wird man es wieder los?
Das hängt vom Schweregrad ab und am ersten Tag ist eine Einschätzung auch noch nicht möglich. Bei Grad 1 und 2 sind Ruhe und Physiotherapie oft ausreichend. Der stärkste Schmerz verschwindet nach ungefähr zwei Wochen. Die vollständige Genesung wird länger dauern.

15) Was tut der Physiotherapeut?
Er wird helfen, das Knie wieder beugen und Sie üben zu lassen, um die Muskelkraft im Oberschenkel wieder herzustellen. Vor allem Muskeln an der Rückseite (Kniesehnen / Hamstrings) müssen gestärkt werden, damit sie die Funktion des Kreuzbands, zum Teil, übernehmen (Muskelkorsett). Um die Muskelbalance sicherzustellen, wird auch die Vorderseite (Quadrizeps) gestärkt.

16) Wie geht es weiter mit den Personen, die einen Schaden am Kreuzband haben?
Ungefähr ein Drittel der Patienten hat nach der akuten Phase keine Beschwerden mehr. Sie gehen wieder problemlos vom Bett zum Auto, mit dem Fahrstuhl ins sechste Stockwerk und spielen auch bei ihren Billardwettkämpfen wieder voll mit. Bei einem Drittel der Personen gibt es ernsthafte Probleme im täglichen Leben. Sie kommen für ein neues vorderes Kreuzband in Betracht. Bei der übrigen Gruppe treten die Beschwerden nur bei intensiver Sportausübung auf. Darüber hinaus haben sie keine Beschwerden. Sie hören mit ihrem Sport auf, helfen sich mit einer Kniestütze oder entscheiden sich nachträglich für eine Operation.

17) Ist eine solche Stütze nicht vorbeugend zu gebrauchen?
Nein, absolut nicht. Das Knie ist ein komplexes Gelenk, bei dem man nicht eine Bewegung beschränken kann ohne auch andere Bewegungen zu beeinträchtigen. In der Genesungsphase kann eine Stütze helfen, aber dann muss sie auch von Fachpersonal nach Maß gefertigt sein.

18) Was muss ich mir unter einer Operation vorstellen?
Die Operation kann erst ausgeführt werden, wenn der Körper ausgewachsen ist und findet unter örtlicher Betäubung oder Vollnarkose statt. Sie ist keine Kleinigkeit und dauert ein bis zwei Stunden. Weil wir bei unserer Geburt keine Tasche mit Reservesehnen erhalten haben, wird ein neues vorderes Kreuzband meistens aus der Patellasehne (Kniescheibensehne) gemacht. Der mittlere Teil davon wird, einschließlich eines Stückchens Knochen an beiden Enden, weggenommen. Mit einer Schlüssellochoperation wird eine Seite am Oberschenkel und eine Seite am Unterschenkel festgeschraubt, gewöhnlich an der Stelle des alten Kreuzbands. Oft verwendet man aber auch ein Stück von den Kniesehnen.

19) Ist die Operation schmerzhaft?
Im allgemeinen ist der Schmerz, auch hinterher, geringer als man erwartet. Wenn es jedoch notwendig ist, kann in den ersten Tagen ein Schmerzmittel gegeben werden.

20) Kann man nach der Operation wieder Sport treiben?
Nein, das schlagen Sie sich bitte aus dem Kopf. In der ersten Woche wird versucht, das Knie wieder bis 90 Grad zu beugen und lernt man, mit Krücken zu laufen. Man darf nur mit den Zehen den Boden antippen. Die Wochen danach stehen im Zeichen des Abnehmens der Schwellung. Nach ungefähr vier Wochen kann man wieder ohne Krücken laufen und darf man Rad fahren und Auto fahren. Nach ungefähr sechs Wochen ist die Sehne fest angewachsen im Knochen. Erst nach sechs Monaten hat sich die transplantierte Sehne in neues, lebendes Sehnengewebe umgewandelt.

21) Muss man sechs Monate zu Haus sitzen bleiben?
Nein, nach sechs Wochen kann wieder leichte Arbeit verrichtet werden und bei schwererer Arbeit ist das nach 12 Wochen möglich.

22) Wann kann man dann in vollem Umfang Sport treiben?
Abhängig vom Befinden kann, im Einvernehmen mit dem Physiotherapeuten, im Allgemeinen nach acht Wochen mit Schnelllaufen auf ebenem Untergrund angefangen werden. Nach zwölf Wochen kann begonnen werden mit dem Üben von Drehbewegungen. Es dauert sechs bis acht Monate, bis wieder voll belastet werden kann und Kontaktsportarten wieder zu verantworten sind.

23) Ist ein neues Kreuzband gleich stark wie das alte?
Nein, das neue Kreuzband erreicht nur 80% der Stärke. Es bleibt also eine schwächere Stelle.

24) Was ist ein allgemeines Anzeichen, dass man wieder Sport treiben kann?
In jedem Fall muss man sich mit dem Physiotherapeuten absprechen. Der Sportler muss schmerzfrei sein, die Muskelkraft auf dem Niveau von vor der Verletzung und die Beweglichkeit des Knies muss voll wiederhergestellt sein.

25) Kann man etwas zur Vorbeugung tun?
Ja, es gibt eine Anzahl Möglichkeiten, aber ausschließen lassen sich Verletzungen leider nicht. Beispiele sind:
-Gutes Material (Bindungen usw.)
-Richtige Schuhe für den Untergrund, auf dem gespielt wird.
-Richtige Technik und Koordinationstraining.
-Krafttraining der Oberschenkel und vor allem der Kniesehnen (Hamstrings).
-Aufwärmung mit Koordinationsübungen.
-Fairplay und eine straffe Wettkampfleitung.

Und schließlich: Hören Sie auf Ihren Körper, er ist der beste Ratgeber.