Die Scheuermannsche Krankheit (morbus Scheuermann) wurde von dem Chirurgen Holger Scheuermann (1877-1960) entdeckt und zuerst beschrieben. Sie wird auch Osteochondrosis juvenilis oder Adoleszenten-Kyphose genannt, weil sie vermehrt im Wachstums- bzw. Pubertätsalter und besonders an der Brustwirbelsäule auftritt. Sie weist erbliche konstitutionelle und endokrine Veränderungen auf. Im seitlichen Röntgenbild des Patienten sind verschiedene Zeichen zu sehen. Zeichnung Abb. 1.

  1. unruhige, gewellte Konturen der Grund- und Deckplatten der betroffenen Wirbel- körper, besonders der mittleren und unteren Wirbelsäule.
  2. ungleich geformte Deck- und Grundplatten mit größeren Einbrüchen.
  3. Verschmälerung der faserknorpeligen Zwischenwirbelscheiben, weil die Zwischen-Wirbelscheiben-Tasse in die Wirbelkörper eindringt.
  4. Druckatrophie an den keilförmigen Wirbelkörpern infolge der Druck- und Zugkräfte, die nun pathologisch wirken und die Wirbel keilförmig verbilden, siehe auch das Röntgenbild Abb 3.
  5. Diese Grund- und Deckplatteneinbrüche können größer werden. Bei benachbarten Wirbeln bilden sich sogenannte Schmorl'sche Knötchen (von dem Pathologen Christian Schmorll entdeckt und beschrieben). Diese Knötchen sind keine Krebszellen sondern bestehen aus faserknorpeligem Zwischenwirbelscheibengewebe, welches in die Wirbeldeck- und Grundplatten eindringt. Dadurch werden die Zwischenwirbelscheiben, die den beweglichen Teil der Wirbelsäule darstellen, flacher. Der Patient wird nach und nach unbeweglicher, kleiner, ja steif.
  6. Die Wirbelkörper werden weiter keilförmig, weil sich die Wirbelknochen den auf sie einwirkenden Druck- und Zugwirkungen anpassen. Wahrscheinlich durch ungenügende Blutzufuhr an den gedrückten Knochenteilen bahnen sich die Fresszellen ihren Weg. Es entstehen abgetrennte Wirbelkörperteile, weil das umliegende Knochengewebe zerstört ist.
  7. Diese abgetrennten Knochenteile werden schließlich assimiliert.
  8. Damit die Wirbelsäule nicht völlig zusammensinkt, bildet der Körper sogenannte Osteophyten. Das sind Knochenwucherungen teils vom unteren, teils vom darüber liegenden Wirbel ausgehend, die sich schließlich berühren und verschmelzen, was der Wirbelsäule Halt verleiht, sie jedoch in ihrer Starre belässt. Uach dieser „knöchernen Verlötung" ist die Wirbelsäule in dieser Gegend versteift.
    Die hier gezeigten Defekte sind nicht immer an einer einzigen Wirbelsäule nachweisbar. Sie sind hier nur der Vollständigkeit halber zusammen angegeben.
    1. Infolge der Haltungsinsuffizienz werden die innerhalb der Zwischenwirbelscheiben befindlichen wässerigen Gallertkerne nach hinten verdrängt, weil sich Flüssigkeiten nicht zusammendrücken lassen, sondern nach der Seite des geringsten Widerstandes ausweichen. Jeder Gallertkern (nucleus pulposus) steht normalerweise unter hohem Druck, der bewirkt, dass in ihm eine Schub- kraft nach oben (cranialwärts) wirkt. Dadurch hat der Mensch seine aufrechte Haltung. restgestellt wurde das, indem eine Zwischenwirbelscheibe quer durchtrennt wurde. Dabei quoll der flüssige Gallertkern über die Schnittfläche und konnte nicht wieder hineingedrückt werden. Wenn sich die WS aber nach hinten bewegt wird die natürliche Schubkraft nicht mehr nach cranial sondern nach hinten fehlgeleitet. Es entsteht eine Kyphose. Ist dieser Zustand einmal erreicht, drängt diese Schubkraft weiter nach hinten, und die Rückenrundung vergrößert sich, was auch die Atmung behindert, wenn man nicht behandlerisch etwas dagegen unternimmt, bevor der Patient vollkommen in sich zusammen rutscht und Schmerzen bekommt.

      Normalerweise hat der Mensch von der Seite gesehen drei physiologische Wirbelsäulen- Schwingungen: Die LWS schwingt nach vorn, die BWS schwingt nach hinten, die HWS schwingt wieder nach vorn. Das bürgt für die Plastizität der Wirbelsäule sowie des gesamten Oberkörpers Diese physiologischen Schwingungen sind bei der Scheuermannschen Krankheit verändert.

      Fast alle Patienten kommen mit einer verschobenen Körperstatik. Das Becken steht zu weit vorn, der Oberkörper steht zu weit hinten und Schultergürtel und Kopf stehen zu weit vorn. Wenn das berichtigt werden soll, muss man am Becken beginnen. Es wird nach hinten geführt. Dadurch hebt sich der Rücken aus seiner festgeklammerten Rundung heraus. Die Zwischenwirbelscheiben werden entlastet. Die Gallertkerne rutschen wieder in die Titte und helfen mit beim senkrechten Köperaufbau. Der Patient fühlt genau die Entlastung und die mühelosere Streckung. Nun muss nur noch der Hinterkopf (Fontanelle) nach oben "ziehen" oder schieben oder streben. Das weitet zusätzlich die verengten Lungenspitzen durch die Aktivität der entsprechenden Muskeln (Skaleni-Muskeln), die an den ersten beiden Rippen vorn ansetzen und sie heben. Diese Tatsache muss der Patient erkennen, in sich aufnehmen und anerkennen.

       

       

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