Es gibt viele allgemeine Yoga-Übungen, die phantastisch aussehen und auch Patienten mit Skoliose verleiten könnten, sie auszuprobieren. Das ist jedoch aus dem oben Gesagten leider abzulehnen.

Durch falsch oder überhaupt nicht durchdachte Übungen bekommen die Patienten meist auch noch Schmerzen, weil die WS-Gelenke un-physiologisch eingestellt werden und schließlich ein Knochenteil am anderen reibt, was Schmerzen verursacht, weil die den Knochen umgebende Knochenhaut der empfindlichste Teil ist.
Oft kommt es durch die Fehlbelastung noch zu einem Wirbel-Dreh-Gleiten (bis zu über einem cm), was die WS und den Patienten noch völlig irritiert. Oft hilft dann wirklich nur noch eine Operation.
Das alles wäre nicht nötig, wenn Therapeut und Patient wissen, warum sie diese Übung ausführen und jene meiden sollen.

Inzwischen haben besonders in Amerika, sehr viele Yoga-Experten Institute gegründet, wo sie auch Skoliose-Behandlungen anpreisen und sogar Lehren darin ausbilden und vor allem die oben angeführten Übungen praktizieren. „Yoga for Scoliosis Teacher Training Journal“ Hier werden Yoga-Lehrer für ein Skoliose-Training in fünf Tagen ausgebildet. Yoga stammt aus Fern-Ost und wurde bestimmt nicht für Skoliosen geschaffen. Echte Yoga-Übungen sind für normal gebaute Körper wunderbar. Jede Abwandlung ist für Skoliosen vom Übel. Hier gilt wie überall der Spruch: „Schuster bleib bei deinem Leisten.“
Auch hat sich die ‚Skoliosebehandlung‘ ebenso bei Pilates eingeschlichen. Auch dort wird „gedacht", wenn alle es machen, warum nicht auch wir‘?

Warum müssen es ganz spezifische Übungen sein, die eine Skoliose verbessern sollen?

Eine Skoliose ist nicht nur eine seitlich verkrümmte und verdrehte Wirbelsäule, wie sie im medizinischen Wörterbuch beschrieben wird. Denn die Rippen sind an den Wirbeln befestigt und verschieben und drehen sich mit.
Die Patienten merken meist erst viel zu spät durch Schmerzen, dass sich ihr Brustkorb verformt hat. Dann suchen sie nach Lösungen.
Allgemeine Turnübungen können da leider nicht helfen, weil der Skoliotiker keine symmetrisch arbeitenden Muskeln mehr hat. Die Muskeln arbeiten dann meist in die Fehlrichtung hinein.
Sofern es Aufrichte- und geschmeidig machende Übungen sind, wie z.B. bei Pilates, ist dem nicht zu widersprechen.

Aber alle wunderbar anzusehenden Seitbeugungen oder Rumpfdrehungen wie z.B. bei Yoga müssen dann leider entfallen. Ich beziehe mich hier auf das „Yoga Journal, Mai 2006 = Yoga for scoliosis“, worin u.a. Übungen für (oder gegen?) Skoliose propagiert werden.

Übung Yoga Grätschstand

Abb. 1: Auf Seite 6 von 13 steht eine junge Dame im breiten Grätschstand und beugt den Oberkörper weit nach rechts, wobei sie mit der echten Hand am gestreckten rechten Bein abwärts in Richtung Fuß fährt.
Der linke Arm wird nach oben gestreckt. Sie beobachtet sich dabei im Spiegel.


Diese Übung wird für eine thorakale Rechtsskoliose gezeigt. Sie soll die eingesunkene linke Seite dehnen und beatmen.
Dabei wird jedoch übersehen, dass durch diese Beugung nach rechts die rechte Taillen- und Lendenmuskulatur eingedrückt und verengt wird. Die beiden unteren freien Rippen (die 11. und 12.) drängen nach links und schieben die Lendenwirbelsäule enorm nach links. Es entsteht nicht nur ein LWS-Bogen nach links, sondern es entsteht auch noch ein dicker Lendenwulst, weil die linken Lendenmuskeln nun zur Arbeit herangezogen werden. Sie müssen ein Umfallen des Körpers verhindern. Das wäre sofort erkennbar, wenn die Dame ihren nackten Rücken zeigen würde und sie sich selbst auch von hinten betrachten könnte.
Man bedenke: alle Rumpfabschnitte, die von der Mittellinie aus nach der Seite abweichen, drehen sich zusätzlich nach hinten. Und alle Rumpfabschnitte, die sich verengen, drehen sich automatisch nach vorn.
Diese für Skoliotiker gefährlichen Seitbeuge-Übungen verschlimmern eine bestehende Skoliose, wenn sie regelmäßig geübt werden, sehr schnell. Dann „müssen die Patienten, trotz regelmäßigen Trainings, leider ein Korsett bekommen“ und im schlimmsten Falle noch operiert werden.
Katharina Schroth hat genau am nicht bedeckten Rumpf beobachtet, was geschieht. Das hat C. Lehnert-Schroth im Lehr-Buch „Dreidimensionale Skoliose-Behandlung“ im Abschnitt „Problematik der Skoliosebehandlung“ genau beschrieben.

Falsche Yoga  Übung für Skoliose

Abb. 2: Auf Seite 8 des Yoga-Journals, Mai 2006 ist eine Patientin auf dem Stuhl sitzend abgebildet. Sie dreht den linken Schultergürtel bei thorakaler Rechtsskoliose nach hinten.


Hier erkennt man ganz deutlich, dass sich der rechtsseitige Rippenbuckel enorm nach außen-hinten dreht und sich die linke Rückenseite nach vorn verschiebt, was bestimmt nicht das Ziel der Übung war. Bei regelmäßigem Training dieser Verdrehungs-Übung werden ganz schnell die Winkelgrade der Skoliose vergrößert und „die Patientin muß möglichst schnell operiert werden!“
Wie sich der Patient auch dreht und wendet oder beugt, es wird immer falsch sein, wenn das Ziel verfolgt wird, nur den thorakalen WS-Bogen zu verbessern. Eine Skoliose besteht doch nicht nur aus einem einzigen WS-Bogen! Zu einem thorakalen Bogen gesellt sich sehr schnell ein Lendenbogen und oben drüber ein Schulter-Hals-Bogen. Alle WS-Bögen vergrößern sich, wenn Übungen, wie im Yoga-Journal, Mai 2006, praktiziert werden.
Das hat Katharina Schroth erkannt. Sie hat Übungen erarbeitet, die auf sämtliche WS-Bogen und Rumpfverdrehungen korrigierend wirken. Siehe Lehr-Buch „Dreidimensionale Skoliosebehandlung“. Wer wirklich dem Skoliotiker helfen will, aus seinem Skolioseelend herauszufinden, muß (Leider) auch etwas mehr denken als nur „Wie sieht diese Übung schön aus!“ Der Patient muß wissen, was er bisher falsch gemacht hat und wie es richtig sein muß.

Yoga Kissenunterlage

Abbildung 3: Kissenunterlage, falsch platziert


Die Patientin liegt auf der rechten, der Rippenbuckelseite. Unter dem rechten Brustkorb liegt ein ziemlich großes, dickes Kissen, welches den gesamten Brustkorb nach links drückt, ohne spezifisch auf die LWS-Krümmung zu achten. Selbst wenn ein kleineres Kissen unter die thorakale Rippenausbuchung gelegt würde, wäre das problematisch, weil diese gedrückten Rippen ja nach hinten gedreht stehen und durch die Kissenunterlage ein Teil der Vorderseite mit gedrückt wird. Das bedeutet, dass sich die WS.-Brustkorb-Verdrehung vergrößert und die gedrückten Rippen durch die Belastung einen Knick bekommen.
Schroth legt die Patienten auf die thorakale Konkavseite mit einem kleinen Kissen, das gezielt unter die lumbale Lendenwulstmuskulatur gelegt wird, die vorher manuell nach vorn gezogen wurde.

Die zertifizierten Schroth-Therapeuten wissen um die verschiedenen skoliotischen Krümmungsmuster und wie sie zuverlässig zu behandeln sind und das z.B. die dreibogige von der vierbogigen Skoliose behandlungsmäßig wesentlich voneinander abweichen, woran die o.a. „Spezialisten“ gar nicht denken können, weil sie sich nicht ordnungsgemäß informiert haben. Sonst würden sie solche Übungen gar nicht erst vom Patienten verlangen.
Auch bekommen die ‚Schroth-Patienten‘ beigebracht, dass sie sich nicht während der Freizeit haltungsmäßig gehen lassen dürfen, weil sich durch jede dieser eingenommenen ungünstigen Haltungen neue Engramme im Gehirn einprägen. Das gilt selbstverständlich auch für die richtigen Haltungen im täglichen Leben, wo sich günstige Haltungsmuster im Gehirn verankern sollen. Der Patient darf fortan nicht mehr denken: „Wenigstens beim Essen oder Schreiben will ich meine Ruhe vor diesen Übungen haben!“ Denn diese Fehlhaltungen wirken wie eine Übung. Er muß erkennen: Jede falsche Übung kostet eine gewisse Zeit. Um die falschen Engramme im Gehirn wieder auszumerzen, braucht es nicht nur die gleiche Zeit für richtige Übungen. Es braucht mindestens genau noch einmal so viel Zeit, um einen Erfolg zu erzielen, den sich jeder Patient wünscht. Wenn das der Patient begriffen hat, wäre er wirklich dumm, das nicht zu beherzigen. Schließlich gehen ihm die neuen als richtig erkannten Körpergefühle in Fleisch und Blut über. Er muß nicht mehr darüber nachdenken. Er hat es geschafft!

 

 

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