Die Atmung spielt beim Sport (und auch sonst) eine überragende Rolle. Hier werden die wichtigsten Grundlagen erläutert.

Lunge

Man kann sich die Lunge ohne weiteres wie einen lebenden Baum vorstellen, dessen Äste sich nach oben hin verzweigen. Der Bronchialast der Lunge steht jedoch umgekehrt. Er geht von der Luftröhre aus nach unten und verzweigt sich in der Gegend des 6. Brustwirbels in den rechten und linken Bronchialast und fächert sich immer weiter auf, ähnlich wie die Ästchen und Blätter am Baum (Abb. 1).

Zwerchfell

Wir atmen jedoch nicht mit der Lunge. Diese wird beatmet, denn unterhalb der Lunge ist das Zwerchfell, das die Atemarbeit vollbringt. Es trennt die Brusthöhle von der Bauchhöhle. Das Zwerchfell geht bei jeder Einatmung nach unten, zieht die Lunge mit nach unten, wodurch reflektorisch; Luft durch die Nase und Luftröhre strömt und sich die Rippen weiten (Abb. 2). Beim Ausatmen schiebt das Zwerchfell die Lunge wieder nach oben und drückt die verbrauchte Luft durch die Luftröhre und Mund oder Nase heraus.

Der Laie staunt oft, dass sich das Zwerchfell während der Einatmung senkt und bezweifelt das. Da hilft Nachdenken über den anatomischen Bau des Zwerchfelles: Es hat in der Mitte eine Sehnenplatte. Diese bleibt immer gleich. Von ihr laufen Muskelfasern ringsum schräg-abwärts und heften sich am Brustkorb an. Bewusste Einatmung wird aus dem unwillkürlichen passiven Vorgang zu einem willkürlichen aktiven Geschehen. Bei der Einatmung ziehen sich die schräg verlaufenden Zwerchfellmuskeln zusammen wie jeder arbeitende Muskel, und sie werden dadurch kürzer. Somit müssen sie die sich in der Mitte befindliche Sehnenplatte des Zwerchfelles abwärts ziehen. Wir haben bereits gesehen, dass sich dadurch der Brustraum der Tiefe zu vergrößert. Die Natur will ja, dass ein großes Erneuerungsangebot an Sauerstoff (Lebensstoff) für Herz und Kreislauf und zur Eigenernährung der Lunge etc. entsteht. Das ist bei Kreislaufstörungen und zur Blutverbesserung enorm wichtig.

Wirbelsäule

Auf Abb. 5 sehen wir, wie viel mehr Platz wir beim Atmen haben, wenn wir in der physiologischen Wirbelsäulenstellung sind. Bei Rundrücken und besonders bei Lendenwirbelsäulen-Kyphose behindern wir uns selbst beim Atmen. Eine normale Atmung massiert auch die Därme und sorgt für einen guten Stuhlgang.

Auch das Herz, welches ebenfalls mit dem Zwerchfell verbunden ist, wird beim Einatmen mit hinuntergezogen und beim Ausatmen wieder nach oben gedrückt, was einer gelinden Massage gleich kommt und das Kreislaufsystem immer wieder anregt und gesunden läßt. Dasselbe geschieht mit Darm, Leber, Milz und Nieren.

Atemfläche

Professor Fritz Kahn beschreibt und illustriert sehr anschaulich in seinem Buch ‚Das Leben des Menschen‘, Francksche Verlagsgesellschaft, wie groß die Fläche ist, durch die wir atmen. Je kleiner die mit einer Oberfläche bedeckten Teile sind, desto mehr Gesamtoberfläche ist vorhanden. Ein erwachsener Mensch z.B. hat eine Hautoberfläche von etwa zwei Quadratmeter. Gibt man jedoch Weinbeeren in einen Behälter, der der Größe eines Menschen entspricht, so haben diese Beerenoberflächen nicht nur die Größe der Hautfläche des Menschen, denn wenn man die Beeren aufschneiden, den Inhalt entfernen und die Schalen nebeneinander legen würde, wären das einige Quadratmeter mehr.

Kahn hat errechnet, dass die Lungenbläschen-Oberfläche, durch die der Sauerstoff hindurch geht und ins Blut gelangt, 75 mal größer ist als unsere Hautoberfläche, weil ein Lungenbläschen nur die Größe von einem Drittel Millimeter hat. Und wir haben etwa 350 Millionen davon! Nun wird auch verständlich, wie wichtig die gelenkte Atmung ist. Bei Skoliose, bei Haltungsverfall, auch bei Morbus Scheuermann usw. sind nicht nur verengte Brustkorbab- schnitte, die sichtbar sind, vorhanden. Nein, auch die entsprechenden Lungenabschnitte sind dort gedrückt und können sich nicht genügend entfalten. Einige „Quadratmeter“ atmen nun nicht mehr mit. Das gefährdet unsere Gesundheit. Deshalb ist es wichtig, den Spirometerwert (die Vitalkapazität) zu steigern und sich bei jedem bewussten Atemzug auf das Weitstellen der verengten Lungen- und Brustkorbteile einzustellen.

Da wir nun wissen, dass die Entfaltung unserer Lungenbläschen so wichtig ist, können wir auch schlussfolgern, dass es nicht nur allein auf das Aktivieren der oft verklebten Lungenbläschen ankommt. Ebenso wichtig ist nämlich noch die Qualität der einzuatmenden Luft.

Luft

Abb. 7 veranschaulicht, wie die Beschaffenheit der Atmungsluft auf unsere Atmungsorgane wirkt.

Atmen wir frische, reine Luft ein, weiten sich die Nasengänge und die Bronchien wie von selbst. Das Zwerchfell geht tief, die Lunge füllt sich. Atmen wir hingegen schlechte oder verbrauchte Luft ein,verengen sich die Nasengänge und Bronchien automatisch. Das Zwerchfell bleibt oben. Die Lunge wird nicht mehr durchlüftet. Der Sauerstoffgehalt im Blut sinkt ab. Wir werden krank. Deshalb ist es wichtig, sich so viel wie möglich im Freien in guter, reiner Luft aufzuhalten bzw. sich zu betätigen.

Und wenn wir im Raum sein müssen, sollten wir ihn genügend oft durchlüften. Auch nachts sollten wir bei geöffnetem Fenster schlafen, besonders wenn wir nicht allein im Zimmer sind. Denn die Ausatmungsluft des Nachbarn einzuatmen, ist für uns noch viel ungesünder, als wenn wir unsere eigene verbrauchte Luft immer wieder einatmen müssen.

Nasenatmung

Die Wirkung (siehe Zu Abb. 7) des vorderen Reflexfeldes auf die Atmungsorgane: Das vordere Reflexfeld oberhalb des Nasenlochs stellt auf dem Wege der Nervenschaltung je nach der Güte der Atemluft die Nasengänge, die Stimmritze und die Luftröhren eng oder weit, stellt das Zwerchfell tief oder hoch und reguliert dementsprechend den Herzschlag.

Im Buch von Kahn ist das sehr anschaulich beschrieben. Die Nase ist nicht nur die kleine Giebelfront, die wir äußerlich sehen. Die Nasenhöhle reicht nämlich vom Nasen- bis etwa zum Ohrloch durch den ganzen Mittelschädel. Sie hat drei Nasengänge. Das Naseninnere ist durch Wülste, drei Muscheln und Ballons, Gruben und Falten und Windungen labyrithisch zerklüftet.

Nasenhöhle

Kahn beschreibt die Aufgabe der Nasenhöhle wie folgt:

  1. Reinigung der Atemluft.

    Die vordere Grenze der Nasenschleimhaut liegt dicht hinter den Nasenlöchern und hat einen Zaun grober Haare, der die Luft wie ein Sieb von allen groben Bestandteilen säubert. Hinter den groben stehen zarte Härchen, die die Luft von feinerem Staub reinigen und gleich- zeitig als Sinneshärchen wirken, indem sie den etwaigen Durchtritt von Fremdkörpern durch den ersten Borstenzaun als Kitzel melden und durch Niesen entfernen lassen.
  2. Weitung und Verengung des Luftweges

    je nach der Beschaffenheit der Atemluft wechselnd. Atmen wir schlechte Gase ein, verengen sich die Atemwege. Atmen wir Blumenduft, erweitern sie sich.
  3. Vorwärmung der Atemluft

    Durch den Reichtum ihrer Adern ist die Nasenschleimhaut sehr blutvoll, warm und wärmespen- dend.
  4. Durchfeuchtung der Atemluft.

    Mit den Adern ist ein ungemein verzweigtes Netz von Lymphgefäßen vorhanden, das die Schleim- haut feucht erhält und ihr ermöglicht, große Mengen Wasserdampf an die durchstreichende Atemluft abzugeben.
  5. Keimfreimachung der Atemluft

    Zwischen den Lymphgefäßen sind zahlreiche Lymphknötchen eingebettet, aus denen fortgesetzt Wanderzellen an die Oberfläche kriechen, um hier die eingewehten Fremdkörper, Bakterien, Fasern, Ruß, Rauch und dergleichen zu beseitigen, Hierin werden sie von den Schleimdrüsen unterstützt, die in dichten Reihen, bis zu 150 pro Quadratzentimeter unter dem Epithel liegen und Schleim über die Schleimhaut gießen. Durch die Klebrigkeit des Nasenschleimes bleiben alle noch so kleinen Fremdkörper haften und werden durch Schnauben herausbefördert, so dass die Luft am hinteren Ende des Nasengehäuses (Rachen) nicht nur staubfrei, sondern auch absolut keimfrei ist infolge der keimtötenden Kraft der Nasenschleimhaut, wodurch die Atemluft sterilisiert wird.
  6. Abtransport aller unschädlich gemachten Einlagerungen und Abfallprodukte

    Die Nasenschleimhaut ist mit einem Pelz dichter Plüschhärchen, dem Flimmerepithel, überzogen, das unaufhörlich wie Ähren im Winde wehen und so den Naseninnenraum ständig wie mit einem kleinen Besen in Richtung Nasenlöcher auskehren.
  7. Das Riechen

    Die durch die Nase eingesogene Luft steigt durch die abwärts gerichteten Nasenlöcher in einem schmalen Strom fast senkrecht aufwärts, biegt am vorderen Ende der mittleren Muschel nach hinten um und fällt dann in sanftem Bogen zur Hinterwand des Rachens. Diese Bogenführung hat einen dreifachen Wert:
    1. Sie verlängert den Weg und Aufenthalt der Atemluft im Nasenraum, was ihrer Erwärmung, Durchfeuchtung, Entstaubung und Entkeimung im Nasenraum zugute kommt.
    2. Sie lässt den unteren Nasengang für den Austritt der ausgeatmeten Atemluft frei.
    3. Sie führt die Luft durch das hochgelegene Gebiet des Riechnerven herauf. Hier wird die Luft durch den Geruch auf ihre Güte geprüft. Frische Luft vermindert die Atemarbeit des Körpers unter gleichzeitiger Erhöhung ihrer Leistung.. Schlechte Luft, schädliche Gase o.ä. hingegen setzen Alarme und Regulierungen in Gang mit automatischen Abwehrmechanismen, Verengung des Kehlkopfes und der Luftröhre, Verschluss der Stimmritze usw.
  8. Reizpunkte

    Das Naseninnere hat in seinen vielen Windungen zahlreiche Reizpunkte, die durch den durchströmenden Luftstrom getroffen werden und funktionelle Auswirkungen haben, wie Abb.8 zeigt, z.B. Migräne, Epilepsie, Schlafstörung, Unaufmerksamkeit, Tränenfluss, Niesen, Atemregulation, Appetitströrung, Zahnschmerz, Stimmritzenkrampf, Blutdruck, Herzschlag, Asthma, Zwerchfellspannung, Erbrechen, Unterleibskrämpfe.

Mundatmung

Mundatmer berauben sich all dieser nötigen Reize und leben dauernd in einer reizlosen Atmosphäre. Deshalb wollen wir uns angewöhnen, nur durch die Nase zu atmen und den Mund im täglichen Leben geschlossen zu halten. Man stelle sich vor, wieviel Staub und sonstige Partikel in die Lungen kämen, wenn wir die kalte, schmutzige Luft durch den Mund sofort in die Lunge leiten würden! Nicht auszudenken! Beim Üben nach Schroth saugen wir die Luft durch die Nase ein und lenken sie dabei gedanklich nach oben zur Nasenwurzel, dort, wo der Brillenbügel sitzt. – Und „denken“ gleichzeitig das Zwerchfell nach unten. Die Ausatmung darf durch den Mund geschehen, weil ja meist dabei auch muskulär gespannt wird. Das verhindert das schädliche Pressen bei Anstrengung. Auch wenn nur ein Nasenloch zur Atmung zur Verfügung ist (Schnupfen o.ä.) werden dennoch beide Lungenhälften durchlüftet, denn in der Gegend des sechsten Brustwirbels teilt sich die Luftröhre in den rechten und linken Bronchialast und versorgt beide Seiten.

Brustkorb

Der Brustkorb des durch die Nase atmenden Menschen ist stärker gespannt als der des Mundatmers, dem die entsprechenden Nervenreize fehlen. Gewohnheitsmäßige Mundatmer besitzen daher einen geringeren Brustumfang, verminderten Gaswechsel und entsprechend schwächere Lungen. Ebenso wirken dieselben Nervenreize auf Herzschlag, Blut- und Lymphdruck und hierdurch auf die allgemeine Gewebsspannung, die Gewebsdurchspülung und dadurch wieder auf das Allgemeinbefinden.
Ein Reizpunkt hat mit der Zwerchfellspannung zu tun, was für uns ganz besonders wichtig ist.

Katharina Schroth sagt: „Eigentlich atmen wir mit dem Brustkorb. Wir können ihn erweitern oder ihn zusammen fallen lassen, ja, sogar zusammenziehen. Das erhält erhöhte Bedeutung dadurch, dass die Lunge, die ja nebst dem Herzen im Brustraum liegt, diese Bewegungen mitmachen muss. So gesehenist die Lungenatmung also ein passiver Vorgang.“

Das gewinnt hohe Bedeutung dadurch, dass während der Einatmung der Brustkorb ich nach allen Seiten sehr ausweitet und sogar verlängert, indem das Zwerchfell (unser Atmungsmuskel) während der Einatmung tief gezogen wird. Dadurch entsteht theoretisch ein negativer Druck im gesamten Brustraum, so dass eine kräftige Saugwirkung entsteht. Es kommt viel mehr sauerstoffreiches Blut aus der Außenluft in die auseinander gezogene Lunge.

Die weise Natur hat den Atemvorgang so „unwillkürlich“ gestaltet. Allerdings haben wir die zusätzliche Möglichkeit, über Verstand und Willen zeitweilig auf den Atmungsvorgang einzuwirken.

Atemübungen

Einige Atemübungen im Sitzen mit einem etwa 5 cm breiten Band aus Stoff oder ein Deuserband oder ein Theraband:

  1. Das Band hinter den gestreckten Nacken oder Hinterkopf legen und mit ihm beim Ausatmen den Kopf sehr weit nach vorn bis auf das Brustbein ziehen.
  2. Beim Einatmen den Kopf gegen den Widerstand des Bandes aufrichten und fühlen, an welcher Stelle es sich von selbst meldet. Wir fühlen einen „Schmerz“ im Rücken, der uns eine willkommene Hilfe ist, denn dort können wir nun auch noch aktiv „raffen“.
  3. Das Band von hinten um die Rippen legen und beim Einatmen die Rippen seitlich und nach hinten gegen den Widerstand des Bandes atmen.
  4. Das Band um die Taille legen und dagegen atmen. Beim Ausatmen den Bauch fest zusammen ziehen und die Eingeweide gedanklich nach hinten und kopfwärts heben und sie dadurch wieder an den orthopädisch richtigen natürlichen Platz bringen.
  5. Band so hoch wie möglich anlegen zur Weitung der Achselhöhlenbrustrippen. Dagegen atmen und beim Ausatmen das Band vorn kräftig zusammenziehen.
  6. Band schräg aufwärts und schräg abwärts ansetzen.
  7. Band so hoch wie möglich über den Rücken unter den Schultern durch das vorn überkreuzt gehaltene Band nach vorn ziehen. Dabei kräftig ausatmen.Bei der nun folgenden Einatmung dient das Band als Widerstand und kräftigt auf diese Weise alle Brust- und Hilfsatemmuskeln und auch das schwache Herz. Gute Übung für Asthmakranke, denn bei Asthma kann man nicht ausatmen.Beim Einatmen mit dem Band tüchtig hemmen, so dass die weitstellenden Muskeln erstarken.

 

 

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